Müllbelastung an der Außenalster

Ergebnisse einer Citizen-Science-Pilotstudie | Data Science 1, WiSe 2025/2026

Herausgegeben

April 8, 2026

Die nachstehenden Daten basieren auf den Einreichungen der Übungsgruppen und wurden hinsichtlich der Koordinatenqualität und Dateistruktur bereinigt (siehe auch den Hinweis zur Koordinatenqualität). Eine inhaltliche Überprüfung der Müllzählungen selbst hat nicht stattgefunden — es kann daher keine Gewähr für die Richtigkeit einzelner Zähldaten übernommen werden.

WarningHinweis zur Koordinatenqualität

Die Erfassung der Standortkoordinaten der einzelnen Müllartikel erfolgte über die App what3words mit den privaten Smartphones der Studierenden. Smartphones sind in ihrer Standortgenauigkeit deutlich eingeschränkter als dedizierte GPS-Geräte — typische Abweichungen liegen im Bereich von mehreren Metern bis zu einigen Zehnern von Metern, abhängig von Empfangssituation und Gerät. Zusätzlich kam es bei einigen Gruppen zu Zuordnungsproblemen zwischen Foto und Standort, sodass die Punktkoordinaten der Einzelartikel mit Vorsicht zu interpretieren sind. Einträge mit eindeutig falschen Koordinaten außerhalb des Untersuchungsgebiets wurden entfernt. Alle Analysen, die auf Einzelkoordinaten basieren — insbesondere die Distanzanalysen und die Hotspot-Karte — sind daher als explorativ einzuordnen. Die aggregierten Daten pro Übungsgruppe (Gesamtanzahl, Gewicht, Materialkategorie) sind davon nicht betroffen.

Im Wintersemester 2025/2026 sammelten 12 Übungsgruppen insgesamt 6.370 Müllartikel entlang der Außenalster und angrenzender Kanäle, davon 5.117 mit Koordinaten und Foto dokumentiert. Die Erhebung fand im November 2025 statt und ist eingebettet in die Citizen-Science-Initiative des Projekts Lebendige Alster (NABU/BUND).

Die dieser Auswertung zugrundeliegenden Rohdaten sind open access verfügbar und können wie folgt zitiert werden:

Otto, S. A., Eberhard, M. J. B., Bober, S., Granse, D., Malukiewicz, J., Menzel, A.-C., Meyer, K., Mittmann-Götsch, J., Oester, R., Schultz, S., & Sinner, A. (2026). Citizen Science Survey on Litter Pollution at the Außenalster, Hamburg – Raw Data WiSe 2025/26 (1.0.0) [Data set]. Universität Hamburg, Biology Department. https://doi.org/10.5281/zenodo.19682849

1 Zusammenfassung und Empfehlungen

Trotz regelmäßiger Reinigung durch die Stadtreinigung Hamburg sammeln sich selbst im November — einem Monat mit vergleichsweise geringer Frequentierung — erhebliche Müllmengen in den Uferbereichen der Außenalster und der angrenzenden Kanäle an. Insbesondere kleinteilige Artikel wie Zigarettenfilter und Kronkorken werden bei der regulären Reinigung offenbar nicht vollständig erfasst und können über die schwer zugänglichen Böschungen ins Gewässer gelangen.

Die wichtigsten Befunde:

  • Plastik dominiert mit rund 67 % aller Funde; allein Zigarettenfilter machen knapp 30 % der Gesamtmenge aus.
  • Rund zwei Drittel aller gefundenen Artikel sind Einwegprodukte; nur etwa 6 % davon fallen unter die seit 2021 EU-weit verbotenen Kunststoffprodukte.
  • Die östliche Außenalster ist besonders durch Zigarettenfilter belastet (bis zu 60 % der dortigen Funde) — vermutlich ein Hinweis auf intensive Aufenthaltsnutzung der Uferbereiche.
  • Die Müllbelastung variiert erheblich zwischen den Gebieten — die normierte Dichte unterschied sich um den Faktor 3,4 zwischen am wenigsten und am stärksten belasteten Abschnitten.
  • Die räumliche Punktanalyse zeigt, dass rund 30 % der Funde in „Problem-Hotspots” liegen (viel Müll bei wenigen Mülleimern in der Nähe), wobei der Kanalbereich besonders auffällt.
  • 237 Artikel mit potenziellem Umwelt- oder Gesundheitsrisiko wurden gefunden (3,7 % der Gesamtmenge), darunter überwiegend Glasscherben sowie vereinzelt Spritzen.

Mögliche Ansatzpunkte für Maßnahmen:

Die Ergebnisse legen einige Handlungsfelder nahe, die jedoch auf Basis weiterer Datenerhebungen geprüft werden sollten:

  • Gebietsspezifische Strategien: Eine einheitliche Lösung für alle Uferabschnitte erscheint wenig zielführend. In gut zugänglichen Aufenthaltsbereichen (z.B. westliche Außenalster) könnten zusätzliche Mülleimer und Aschenbecher die Müllmenge reduzieren; in schwer zugänglichen Bewuchsbereichen (Kanal) wären gezielte Reinigungsaktionen — wie sie das Projekt Lebendige Alster bereits durchführt — vermutlich effektiver.
  • Fokus Zigarettenfilter: Da Zigarettenfilter die häufigste Einzelkategorie darstellen und besonders nah an Parkbänken gefunden wurden, könnten gut sichtbare Aschenbecher in Banknähe getestet werden — insbesondere im östlichen Bereich der Außenalster.
  • Wiederholung der Erhebung: Die Pilotstudie liefert eine Momentaufnahme. Eine Wiederholung in anderen Jahreszeiten (z.B. Sommer) sowie über mehrere Jahre würde belastbarere Aussagen über Trends und die tatsächliche Wirkung von Maßnahmen ermöglichen.

Im Folgenden werden die einzelnen Befunde im Detail dargestellt.

2 Gesamtergebnisse nach Übungsgebiet

2.1 Übersichtskarte

Abb. 1: Müllbelastung nach Untersuchungsgebiet (Artikel pro 100 m Uferlänge). Die Polygone zeigen die tatsächlichen Erhebungsgebiete der 12 Übungsgruppen (A–K, BMARSYS). Beim Hovern wird die Mülldichte eingeblendet, ein Klick auf ein Gebiet zeigt weitere Details (Gesamtanzahl, Gewicht, Fläche).

2.2 Gesammelter Müll in Gesamtzahl und -gewicht

Abb. 2: a) Untersuchungsgebiete, b) Gesamtanzahl und c) Gesamtgewicht der Müllartikel je Übungsgruppe (bei Gruppe I fehlt die Gewichtsinformation).

Die meisten Müllartikel wurden von den Gruppen E und F am nordöstlichen Alsterufer gesammelt (je rund 955 Artikel), wobei das Gewicht dort mit 13–21 kg vergleichsweise gering ausfiel — ein Hinweis auf viele kleinteilige Artikel wie Zigarettenfilter (Abb. 2). Den mit Abstand schwersten Müll sammelte die Gruppe BMARSYS am Kuhmühlenteich (49,8 kg bei nur 440 Artikeln): Dort wurden u.a. ein kaputtes Schlauchboot (Abb. 3), ein Paddel sowie Kleidungsstücke aus dem Wasser geborgen — der Kuhmühlenteich ist ein bekannter Hotspot für teils illegal abgestellte Kanus und Paddelboote.

Abb. 3: Geborgenes Schlauchboot aus dem Kuhmühlenteich.

2.3 Müllbelastung nach Region


Abb. 4: Durchschnittliche Anzahl an Müllartikeln (auf 100 m Uferlänge, gemittelt über die Gruppen ± Standardfehler) pro Region.
Tabelle 1: Gesamtergebnisse pro Übungsgruppe: Anzahl, Gewicht und standardisierte Dichte.
Gruppe Uferlänge (m) Gewicht (kg) Anzahl Artikel/100m kg/100m
Westliche Außenalster
A 543 9.6 440 81.1 1.8
B 606 6.5 555 91.6 1.1
C 876 14.3 487 55.6 1.6
D 668 10.7 419 62.7 1.6
Östliche Außenalster
E 621 21.2 958 154.3 3.4
F 700 13.4 955 136.4 1.9
G 563 22.7 290 51.5 4.0
H 711 8.5 320 45.0 1.2
I 626 NA 399 63.8 NA
Kanal (Osten)
J 412 19.2 529 128.3 4.6
K 418 26.9 578 138.3 6.4
BMARSYS 867 49.8 440 50.7 5.7

Da die Uferabschnitte unterschiedlich lang waren (412–876 m), ist für den Vergleich die auf 100 m normierte Mülldichte aussagekräftiger als die absolute Anzahl (Tabelle 1). Im Mittel war die Belastung im Kanalbereich am höchsten, gefolgt von der östlichen Außenalster — die westliche Außenalster wies die geringste Dichte auf (Abb. 4). Die räumliche Verteilung lässt sich auch in der interaktiven Übersichtskarte nachvollziehen (Abb. 1).

3 Zusammensetzung des Mülls

3.1 Verteilung der einzelnen Kategorien

Abb. 5: Materialzusammensetzung: a) Absolute Anzahl pro Kategorie über alle Gebiete, b) Prozentuale Zusammensetzung je Übungsgruppe, gruppiert nach Region.

Plastik dominiert die Materialzusammensetzung mit 4.265 Artikeln (67 %) deutlich. Mit großem Abstand folgen Papier/Pappe (715 Artikel, 11,2 %), Metall (584 Artikel, 9,2 %) und Glas (418 Artikel, 6,6 %). Textilien (2,3 %), Bau- & Abbruchabfälle (1,7 %), Gummi (1,2 %) sowie Holz, Sondermüll und Elektroschrott machen zusammen weniger als 4 % aus. Die Zusammensetzung ist über die Übungsgruppen hinweg erstaunlich konsistent: Plastik liegt in allen Gebieten zwischen 49 % (BMARSYS) und 76 % (F) (s. Abb. 5). Auffällig ist der vergleichsweise hohe Textilanteil bei BMARSYS (10,9 %) — dort wurden Kleidungsstücke aus dem Kuhmühlenteich geborgen — sowie der erhöhte Papier/Pappe-Anteil in den Kanalgebieten (15–16 %) gegenüber der westlichen Außenalster (8–22 %).

3.2 Plastik im Detail

Abb. 6: a) Zusammensetzung der Plastik-Funde nach Subkategorie. Die Kategorie ‘Sonstiges Plastik’ (18,3 %) umfasst Plastikfragmente, die keiner Produktkategorie mehr zugeordnet werden konnten. b) Dichte der Zigarettenfilter pro 100 m Uferlänge nach Übungsgruppe.

Innerhalb der Kategorie Plastik entfallen allein 44,8 % auf Zigarettenfilter (1.912 Stück) — sie sind damit der mit Abstand häufigste Einzelartikel der gesamten Erhebung (Abb. 6 a). Es folgen Lebensmittelverpackungen (14 %), sonstiges Verpackungsmaterial (9,7 %) und Plastiktüten (4 %). Die zweitgrößte Gruppe „Sonstiges Plastik” (18,3 %) besteht überwiegend aus Plastikfragmenten und -bruchstücken, die aufgrund ihrer Größe oder ihres Zustands keiner spezifischen Produktkategorie mehr zugeordnet werden konnten. Die verbleibenden 12 Subkategorien — von Flaschenverschlüssen über Hygieneartikel und Feuerzeuge bis hin zu Strohhalmen — machen jeweils unter 2 % aus.

Die räumliche Verteilung der Zigarettenfilter zeigt deutliche Unterschiede (Abb. 6 b): An der östlichen Außenalster erreicht die Dichte bis zu 66 Zigarettenfilter pro 100 m (Gruppe E), während sie im Kanalbereich bei unter 30 liegt. Dies deutet auf eine stärkere Nutzung der östlichen Uferbereiche als Aufenthaltsorte hin.

4 Herkunft und Regulierungsstatus von Einwegartikeln

Die Klassifikation von Einwegartikeln folgt einer nutzungsorientierten Definition und kombiniert Kategorien der EU-Einwegkunststoffrichtlinie (SUP) mit empirisch typischen Einwegprodukten im öffentlichen Raum. Zigarettenfilter werden als Einwegartikel klassifiziert, da sie explizit unter die SUP-Richtlinie fallen (Tabakprodukte mit Kunststofffiltern).

Insgesamt sind 4.201 von 6.370 Artikeln (65.9 %) Einwegprodukte.

Um zu verstehen, wo der Müll herkommt und welche politischen Maßnahmen greifen könnten, wurden die Funde nach ihrer wahrscheinlichen Herkunftsquelle klassifiziert und dem jeweiligen EU-Regulierungsstatus zugeordnet — von bereits verbotenen Einwegkunststoffen bis hin zu Produkten, für die bislang nur Kennzeichnungspflichten gelten.

Abb. 7: Sankey-Diagramm: Herkunftsquelle → Materialkategorie → EU-Regulierungsstatus. Die Breite der Bänder ist proportional zur Artikelzahl.

Das Sankey-Diagramm in Abb. 7 zeigt drei dominante Pfade: Der stärkste Fluss führt von Rauchen → Plastik → EU-SUP: Kennzeichnungspflicht mit 1.912 Artikeln — hauptsächlich Zigarettenfilter, die trotz Kennzeichnungspflicht massenhaft in der Umwelt landen. Nahezu gleich groß ist der Strom Takeaway/To-Go → Plastik → Verpackung (Einweg) mit 613 Artikeln, gefolgt von Konsum/Handel → Plastik → Verpackung (Einweg) mit 414 Artikeln. Auffällig ist der Freizeitbereich: Hier dominieren Glas- und Metallbehälter (Glasflaschen, Kronkorken, Getränkedosen, zusammen 497 Artikel), die typischerweise beim Grillen und Picknicken anfallen und zu den Getränkebehälter-Kategorien zählen. Plastik ist insgesamt das zentrale Material: Es taucht bei nahezu allen Quellen auf und verteilt sich auf alle EU-Regulierungskategorien, während Metall, Glas und Papier/Pappe nur über einzelne Quellen einfließen.

Eine detaillierte Aufschlüsselung der Einwegartikel nach EU-Regulierungsstatus und Region zeigt Tabelle 2.

Tabelle 2: Einwegartikel nach EU-Regulierungsstatus und Region. Rund zwei Drittel aller gefundenen Artikel sind Einwegprodukte.
Subkategorie Westliche Außenalster Östliche Außenalster Kanal (Osten) Gesamt
EU-SUP-Richtlinie: Kennzeichnungspflicht
Zigarettenfilter 453 (37.6%) 1245 (60.6%) 214 (22.7%) 1912
Feuchttücher und Windeln 12 (1%) 9 (0.4%) 19 (2%) 40
Getränkeflaschen 10 (0.8%) 18 (0.9%) 11 (1.2%) 39
Luftballons 6 (0.5%) 8 (0.4%) 3 (0.3%) 17
Summe 2,008
EU-SUP-Richtlinie: regulierte Kunststoffprodukte (Verbot seit 2021)
Plastiktüten 43 (3.6%) 55 (2.7%) 71 (7.5%) 169
Flaschenverschlüsse 30 (2.5%) 44 (2.1%) 13 (1.4%) 87
Deckel und Drehverschlüsse 24 (2%) 34 (1.7%) 5 (0.5%) 63
Einwegbesteck 12 (1%) 10 (0.5%) 10 (1.1%) 32
Strohhalme 4 (0.3%) 6 (0.3%) 5 (0.5%) 15
Summe 366
Getränkebehälter (typisch einmalige Nutzung im öffentlichen Raum)
Kronkorken 95 (7.9%) 128 (6.2%) 81 (8.6%) 304
Glasflaschen 61 (5.1%) 62 (3%) 70 (7.4%) 193
Getränkedosen 9 (0.7%) 23 (1.1%) 15 (1.6%) 47
Summe 544
Sonstige Einwegartikel (nicht SUP-relevant)
Kassenbons 21 (1.7%) 16 (0.8%) 10 (1.1%) 47
Papiertüten 8 (0.7%) 13 (0.6%) 14 (1.5%) 35
Feuerzeuge 12 (1%) 18 (0.9%) 3 (0.3%) 33
Summe 115
Verpackungen (Einweg)
Lebensmittelverpackungen 283 (23.5%) 204 (9.9%) 224 (23.8%) 711
Verpackungsmaterial 115 (9.6%) 160 (7.8%) 139 (14.8%) 414
Masken 0 (0%) 1 (0%) 28 (3%) 29
Tetra-Paks 6 (0.5%) 2 (0.1%) 6 (0.6%) 14
Summe 1,168

Von den insgesamt 4.201 Einwegartikeln entfällt fast die Hälfte auf EU-kennzeichnungspflichtige Produkte (2.008 Artikel), angeführt von Zigarettenfiltern, deren Anteil an der östlichen Außenalster mit 60,6 % besonders auffällig ist — mehr als dreimal so hoch wie im Kanalbereich (22,7 %) (Tabelle 2). Die seit 2021 durch die EU-SUP-Richtlinie verbotenen Kunststoffprodukte (Plastiktüten, Einwegbesteck, Strohhalme u.a.) machen mit 366 Artikeln zwar nur einen kleinen Anteil aus, sind aber weiterhin im Uferbereich präsent. Verpackungen bilden mit 1.168 Artikeln die zweitgrößte Gruppe — hier liegt der Anteil von Lebensmittelverpackungen an der westlichen Außenalster und im Kanal mit je rund 24 % deutlich höher als an der östlichen Außenalster (9,9 %), wo Zigarettenfilter den Müll dominieren. Getränkebehälter aus Glas und Metall (544 Artikel) sind über alle Regionen hinweg relativ gleichmäßig verteilt, mit leicht erhöhtem Anteil im Kanalbereich.

5 Sondermüll und Gefahrenstoffe

Insgesamt wurden 237 Artikel mit potenziellem Umwelt- oder Gesundheitsrisiko gefunden (3.7 % des Gesamtmülls).

Abb. 8: Gefundene Artikel mit potenziellem Umwelt- oder Gesundheitsrisiko, nach Risiko-Priorität eingefärbt.

Der größte Anteil entfällt mit 203 Glasscherben (86 % der Risikofunde) auf Verletzungsgefahren für Menschen und Tiere (Abb. 8, Tabelle 3). Besonders besorgniserregend sind die vier gefundenen Spritzen — trotz geringer Zahl stellen sie das höchste Risiko dar (Infektionsgefahr, Verletzungsrisiko). Chemische Gefahrenstoffe umfassen zudem 15 nicht näher bestimmte Gefahrstoffe sowie zwei Batterien mit Schwermetallgehalt (Cd, Pb, Hg). Elektroschrott (13 Artikel) ist zwar am wenigsten gefährlich, kann aber Schwermetalle und Flammschutzmittel ins Gewässer abgeben.

Tabelle 3: Detaillierte Risikobewertung der gefundenen Gefahrenstoffe.
Artikel Anzahl Kategorie Priorität Potenzielle Gefahren
Glasscherben 203 Verletzungsgefahr Mittel Schnittverletzungen für Menschen und Tiere
Sonstige Gefahrenstoffe 15 Chemische Gefahrenstoffe Hoch Variable chemische Gefahren
Geräte 6 Elektroschrott Niedrig Schwermetalle, Flammschutzmittel
Sonstiger Elektroschrott 6 Elektroschrott Niedrig Variable elektronische Komponenten
Spritzen 4 Chemische Gefahrenstoffe Sehr hoch Infektionsgefahr, Verletzungsrisiko
Batterien 2 Chemische Gefahrenstoffe Hoch Schwermetalle (Cd, Pb, Hg), Elektrolyt-Austritt
Elektrokabel 1 Elektroschrott Niedrig Kupfer, PVC

6 Lokale Hotspots und Einfluss von Infrastrukturen

6.1 Wo clustert Müll, und stehen dort Mülleimer?

Abb. 9: Räumliche Verteilung der Müllartikel klassifiziert nach lokaler Müll- und Mülleimer-Dichte (jeweils 50-m-Umkreis). Rot = Problem-Hotspots: viel Müll bei wenigen Mülleimern.

Knapp ein Drittel aller Müllfunde (29,2 %) liegt in Problem-Hotspots — also Bereichen mit überdurchschnittlich vielen Müllartikeln und gleichzeitig wenigen Mülleimern in der Umgebung (Abb. 9). Diese Hotspots verteilen sich räumlich sehr ungleich: Im Kanalbereich ist jeder zweite Fund (50,5 %) ein Problem-Hotspot, in der westlichen Außenalster 27,8 %, in der östlichen Außenalster dagegen nur 16,9 %. Die östliche Außenalster zeigt das gegenteilige Muster — hier sind 33,3 % der Funde als „gut versorgt” klassifiziert (wenig Müll bei vielen Mülleimern), und ein weiteres Viertel der Funde liegt zwar in stark frequentierten Bereichen, aber dort sind auch Mülleimer vorhanden.

Daraus lässt sich allerdings nicht direkt der Schluss ziehen, dass im Kanalbereich einfach mehr Mülleimer aufgestellt werden sollten. Die dortigen Uferabschnitte sind durch dichten Bewuchs und schwer zugängliche Böschungen geprägt — Müll wird dort vermutlich weniger aktiv abgelegt, sondern sammelt sich passiv durch Windverdriftung, Wassereinträge oder Verfangen in der Vegetation. Zusätzliche Mülleimer dürften diesen Eintragspfad kaum unterbrechen. Sinnvoller wären in diesen Bereichen gezielte Reinigungsaktionen — wie sie das Projekt Lebendige Alster bereits an Aktionstagen durchführt — sowie Maßnahmen zur Reduktion des Mülleintrags an den darüberliegenden Wegen und Brücken. In der westlichen Außenalster, wo Problem-Hotspots eher in zugänglicheren Park- und Aufenthaltsbereichen liegen, könnten zusätzliche Mülleimer dagegen einen direkteren Effekt haben.

6.2 Welche Müllarten liegen besonders nah an Parkbänken?

Abb. 10: Mediane Distanz zur nächsten Parkbank nach Subkategorie (nur Subkategorien mit ≥ 30 Funden). Subkategorien mit geringer Distanz clustern stärker um Parkbänke.

Zigarettenfilter liegen mit einem Median von nur 4,3 m zur nächsten Parkbank mit Abstand am nächsten (Abb. 10) — das IQR von 0–18,5 m zeigt, dass die Hälfte aller Funde praktisch direkt an einer Bank lag. Ähnlich banknahe Muster zeigen Kassenbons (15,9 m, Konsum/Handel), Glasscherben und Kronkorken (je ~16 m, Freizeit/Grillen) sowie Flaschenverschlüsse (17,8 m, Takeaway/To-Go) — allesamt Artikel, die beim Aufenthalt auf einer Bank entstehen. Am weitesten entfernt wurden Plastiktüten (167 m, Konsum/Handel), Kleidungsstücke (57,7 m, Hygiene/Persönlich) und Glasflaschen (56,7 m, Freizeit/Grillen) gefunden — diese gelangen vermutlich nicht durch Banknutzung, sondern durch andere Aktivitäten oder Windverdriftung in die Uferbereiche.

7 Ausblick

Diese Pilotstudie hat ein standardisiertes Erhebungsprotokoll für die Müllerfassung entlang der Außenalster erprobt und liefert eine erste systematische Bestandsaufnahme. Eine Wiederholung in den kommenden Winter -und Sommersemestern würde es ermöglichen, saisonale Schwankungen und langfristige Trends zu identifizieren — und gegebenenfalls die Wirkung konkreter Maßnahmen wie zusätzlicher Aschenbecher oder gezielter Reinigungsaktionen zu evaluieren. Die Ergebnisse werden der Stadtreinigung Hamburg und dem Projekt Lebendige Alster zur Verfügung gestellt und fließen in dessen Öffentlichkeitsarbeit ein.


8 Über diesen Bericht

ImportantMitwirkende

Die Datenerhebung wurde von Monika Eberhard und Saskia Otto sowie den Übungsgruppenleitungen Simon Bober, Dirk Granse, Joanna Malukiewicz, Carolin Menzel, Katharina Meyer, Julian Mittmann-Götsch, Rebecca Oester, Stephanie Schultz und Alexej Sinner vor Ort koordiniert; die jeweiligen Gruppendaten wurden von den Übungsgruppenleitungen zusammengetragen und bereitgestellt. Das Studiendesign wurde gemeinsam mit Monika Eberhard (Universität Hamburg, IZS), Eike Schilling (NABU) und Ole Lorenzen (Universität Hamburg, IMF bzw. NABU/BUND) entwickelt.

Ein besonderer Dank gilt den Studierenden der Lehrveranstaltung Data Science 1 (Biologie/BMARSYS BSc, WiSe 2025/2026) für die Durchführung der Müllsammlung und Datendokumentation sowie dem NABU-Projektteam von Lebendige Alster für die Kooperation und Bereitstellung der Ausrüstung.

Wiederverwendung

Zitat

BibTeX Zitierung:
@report{otto2026,
  author = {Otto, Saskia A.},
  publisher = {Universität Hamburg, Fachbereich Biologie},
  title = {Müllbelastung an der Außenalster: Ergebnisse einer
    Citizen-Science-Pilotstudie},
  date = {2026-04},
  url = {https://uham-bio.github.io/data-science/material/showcases/casestudy-litter-alster/ds1-ws2025.html},
  doi = {10.5281/zenodo.19683491},
  langid = {de}
}
Bitte zitieren Sie diese Arbeit als:
Otto, Saskia A. 2026. “Müllbelastung an der Außenalster: Ergebnisse einer Citizen-Science-Pilotstudie.” Universität Hamburg, Fachbereich Biologie. https://doi.org/10.5281/zenodo.19683491.