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DS1 Fallstudien – Müllerfassung an der Außenalster

Hintergrund: Das Projekt Lebendige Alster

Das Projekt Lebendige Alster ist eine gemeinsame Initiative von NABU Hamburg und BUND Hamburg, die sich seit 2011 für den ökologischen Zustand der Alster und ihrer Nebenflüsse einsetzt. Neben der ökologischen Aufwertung des Flusslaufs und der Förderung der Artenvielfalt setzt das Projekt zunehmend auf Citizen Science: Bürger*innen sollen aktiv zum Monitoring beitragen — etwa durch die Erfassung von Müll, Wasserqualität und Artenvorkommen —, um Daten für den Gewässerschutz zu sammeln und gleichzeitig Umweltbewusstsein und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken.

Die Außenalster ist als einer der beliebtesten Freizeitorte Hamburgs stark frequentiert. Die Stadtreinigung reinigt die Grünanlagen und Wege entlang der Alster regelmäßig — die schwerer zugänglichen Uferbereiche und Böschungen werden dabei jedoch kaum erreicht. Dort kann sich Müll über längere Zeit ansammeln und schließlich ins Gewässer gelangen. Das ist besonders problematisch, weil das Projekt Lebendige Alster in den letzten Jahren gezielt ökologische Strukturelemente in und an der Alster geschaffen hat — darunter Unterwassergabionen, schwimmende Vegetationsinseln und Schutzstrukturen für Fische —, um den stark verbauten Gewässerlebensraum aufzuwerten. Plastikteile, die sich in Wurzelstrukturen und Gabionen verfangen, Schadstoffe aus Zigarettenstummeln im Wasser oder Glasscherben in den Ufer- und Flachwasserzonen können diese Maßnahmen gefährden. Hinzu kommt, dass die Uferbereiche im Frühjahr und Sommer als Bruthabitate dienen und in dieser Zeit nicht gereinigt werden können. Eine systematische Bestandsaufnahme der Müllbelastung entlang der Außenalster fehlte bislang.

Fragestellungen

Die Stadtreinigung Hamburg entfernt regelmäßig Müll von den Wegen und Grünflächen entlang der Alster. Doch wie viel und welcher Müll sammelt sich in der Zeit zwischen den Reinigungstagen an — selbst im November, wenn die Alster weniger frequentiert wird? Welche Müllartikel werden von der Reinigung nicht erfasst, weil sie zu kleinteilig sind (z.B. Zigarettenfilter, Kronkorken) oder weil sie in den schwer zugänglichen Böschungsbereichen liegen und so ins Wasser gelangen können?

Darüber hinaus stellen sich Fragen zur Rolle der vorhandenen Infrastruktur: Liegt in der Nähe von Parkbänken mehr Müll als anderswo? Führt das Fehlen von Mülleimern zu einer höheren Müllbelastung? Und welche konkreten Maßnahmenempfehlungen lassen sich aus den Ergebnissen ableiten?

Pilotstudie WiSe 2025/2026

Im Wintersemester 2025/2026 wurde im Modul Data Science 1 erstmals eine Fallstudie durchgeführt, die als Pilotstudie für das geplante Citizen-Science-Monitoring des Projekts Lebendige Alster konzipiert war. Ziel war es, in Zusammenarbeit mit dem NABU-Projektteam ein standardisiertes Erhebungsprotokoll zu erproben und gleichzeitig den Studierenden eine praxisnahe Datenerhebung und -analyse zu ermöglichen.

Insgesamt 12 Übungsgruppen sammelten und kategorisierten im November 2025 Müll entlang zugewiesener Uferabschnitte der Außenalster und des angrenzenden Mundsburger Kanals (s. Abbildung 1). Jedes 2–3er-Team dokumentierte die Funde nach einem vorgegebenen Kategorienschema, erfasste Standortkoordinaten über die App what3words und fotografierte jeden Müllartikel. Die Rohdaten wurden in standardisierte Excel-Vorlagen übertragen.

Abbildung 1: Übersicht der Untersuchungsgebiete: 12 Übungsgruppen (A–K, BMARSYS) an der Außenalster und dem Mundsburger Kanal. Kartengrundlage: OpenStreetMap.

Anschließend wählte jedes Team eine spezifische Fragestellung — etwa zum Einfluss der Infrastruktur auf die Müllverteilung, zur Dominanz bestimmter Materialien oder zur räumlichen Verteilung von Zigarettenstummeln — und erstellte dazu eine deskriptive Analyse in der Programmiersprache R und einen Kurzbericht. Die Ergebnisse wurden dem Projekt Lebendige Alster zur Verfügung gestellt und sollen in dessen Öffentlichkeitsarbeit einfließen.

(a) Gruppe C bei der Müllerfassung an der Westseite der Außenalster
(b) Das Wasser-Team der Gruppe E an der Ostseite (mit Wathose)
Abbildung 2: Studierende bei der Müllsammelaktion an der Außenalster im November 2025.
(a) Zigarettenfilter — einer der am häufigsten gefundenen Müllartikel
(b) Gesammelter Müll der Gruppe C: 14,4 kg auf rund 875 m Uferlänge
Abbildung 3: Beispiele für die dokumentierten Funde.

Ergebnisübersicht

Das folgende Dokument fasst die erhobenen Daten aller Übungsgruppen zusammen — von der räumlichen Verteilung der Müllbelastung über die Materialzusammensetzung bis hin zum Einfluss der Infrastruktur.

Übersicht WiSe 2025/2026